Studierende untersuchen aktuelle Themen (Teil 1)

November 18, 2008 7:37 pm

Als Semesterleistung in meiner ETH-Vorlesung schreiben die Studierenden in 3er-Gruppen eine kleine Arbeit und halten eine Präsentation zu einer von mir gestellten Aufgabe. Die ersten beiden Präsentationsstunden sind um und ich möchte die Themen des ersten Blocks kurz vorstellen.

Bei allen Arbeiten ging es um das Leitthema “openness”, das sich aber in ganz verschiedenen Aspekten zeigte.

  • Die Gruppe #1 “open content communities” (Melanie Imhof, Stefan Geiger) verglich Funktionsweise und Governancevon drei open content communities: wikipedia.org, mutopia.org und openstreetmap.org.
  • Gruppe #2 “open access” (Miriam Küthe, Sabina Pfister)interviewte die Leitungen der beiden Hochschulbibliotheken ETH und UZH zum Thema “Open Access Publishing”.
  • Gruppe #3 “open/closed music” (Dominik Blunschy, Etan Kissling, Christian Decker) verglich drei Online-Musikanbieter iTunes, MagnaTunes und Jamendo, die mit sehr unterschiedlichen Lizenzierungen und Geschäftsmodellen Musik anbieten., von Standardpreisen bis ganz gratis (und frei).
  • Gruppe #4 “ope/closed mobiles” (Christian Starchl, Cedric Staub, Moritz Mani) verglich Geschäftsmodelle und technische Besonderheiten der drei Mobiltelefone iPhone, Android/G1 und openmoko.
  • Gruppe #5 “open spectrum” (Jeremie Miserez, Dario Todaro, Pascal Studerus) untersuchte das openBTS PRojekt, welches eine freie Implementation des GSM-Mobilfunkstandards verfolgt, um eine sehr flexible und günstige Mobillösung unabhängig von bestehenden Providern anzubieten.
  • Gruppe #6 “net neutrality” (Pascal Spörri, Yannick Stucki, Roman Hellmüller) untersuchte die Interessen und Argumentationen zur Netzneutralitätsdebatte und zeigt dabei auch wie Schweizer Provider den Datenverkehr per traffic-shaping beeinflussen.

Zu allen Themen findet man hier den PDF-Bericht (bitte die CreativeCommons-Lizenz beachten!) und die -Präsentation. Viel Spass beim Lesen!

Wer Interesse an den anderen Themen hat ist herzlich eingeladen in der Vorlesung vorbeizuschauen und die Präsentationen live mitzuerleben: Jeden Dienstag Nachmittag 15-17h, im Rechenzentrum, Raum F21, der ETH Zürich (Karte).

Niederländisches Patentbüro wechselt komplett auf Open Source

September 30, 2008 10:13 am

Wenn das nicht ironisch ist. :-)

Open Source Debatte im neuen Blog der ETH-Informatikdienste

September 24, 2008 9:58 pm

Die Informatikdienste der ETH Zürich haben neu einen Blog, in den Mitarbeitende der ID regelmäsig von ihrer Arbeit bloggen. Finde ich sehr begrüssenswert, denn es trägt sehr zu Transparenz und indirekt Kundenähe bei, wenn eine grosse Dienstleistungsorganisation (die ID haben fast 200 MA) sich so offen für Feedback zeigt.

Wer etwas zu Open Source an der ETH sagen möchte oder lesen, was andere meinen, hier ist die Gelegenheit.

Meine Vorlesung beginnt heute

September 23, 2008 7:30 am

Heute findet die erste Lektion meiner ETH-Vorlesung “Freie Software - Zur Nachhaltigkeit in der Wissensgesellschaft” statt. Es ist ein D-GESS Pflichtwahlfach und kann von ETH- und UZH-Studierenden belegt werden. Details im Kurs.

Beginn um 15:15 im Rechenzentrum ETH RZ F 21.

China – «You say ‹jump›, I say how high?»

September 17, 2008 3:13 pm

Ni hao! Ich habe heute einen Chinesisch-Anfängerkurs begonnen und bin bei der Suche nach Open Source Lernprogrammen auf eine interessante Meldung gestossen. Bei weitem ist nicht alles, was China tut, ist zu begrüssen, aber im Bereich Open Source und Linux scheint die chinesische Regierung weitsichtig zu handeln.

LUPA ist eine, von der Regierung unterstützte Allianz, die Open Source an Universtitäten mit Kursen und anderen Aktivitäten fördert. Über 300 Universitäten und Colleges sind Mitglied von LUPA. Der Chef von LUPA schätzt, dass in Zukunft bis zu 100′000 Studierende pro Jahr zertifizierte Linux-Kurse absolvieren werden. Das sind zwar nur 48h-Kursformate, aber immerhin: Wer von uns, ausser EntwicklerInnen, hat jemals einen mehrtägigen Kurs für ein Betriebssystem absolviert?

Gewiss, alles was China macht, ist zahlenmässig beeindruckend.Aber auch die Schweizer Universitäten und höheren Bildungseinrichtungen würden vom vermehrten Einsatz Freier Software profitieren: Kurzfristig und vielleicht auf “peanuts”-Level, indem Lizenzgebühren eingespart werden; mittelfristig und schon substantieller, indem Aufwand für die Lizenzadministration gesenkt wird (aktuelle Beispieldiskussion im neuen Blog der Informatikdienste der ETHZ) und schliesslich langfristig und mit Hebelwirkung, indem das Innovationspotential von Absolventen und Spinoffs dadurch erhöht wird, dass sie in Werkzeugen ausgebildet wurden, die es ihnen einfach machen, neue Dienstleistungen mit kurzen time-to-market Zeiten und zu kompetitiven Preisen anzubieten. Lokale Wertschöpfung ermöglichen und fördern ist was durch LUPA in China passiert – und auch hier klappen könnte. So überrascht es auch nicht, dass LUPA mit «stop piracy» klar Stellung (hier, Pkt. 6) bezieht, denn die Abhängigkeit von proprietärer Software – selbst wenn sie gratis ist – wirkt der Unabhängigkeit der eigenen lokalen Anbieter und Kunden entgegen. Es stimmt, dass auch ausländische Hersteller Arbeitsplätze in den Absatzmärkten schaffen. Aber nicht so viele. Zudem bleibt weniger des erwirtschafteten Gewinns vor Ort.

Wir werden sehen, ob China mit diesem neuen Ansatz, mehr Basar, weniger Kathedrale, endlich mal ein positiver Grosser Sprung gelingt.

Schweizer Preisüberwachung. Wird der Bock zum neuen Gärtner gemacht?

June 18, 2008 2:52 pm

Der Bundesrat hat heute eine Personalentscheidung bei der nationalen Preisüberwachung getroffen, die noch für einige Diskussionen sorgen dürfte. Geschäftsleitungsmitglied und «Lead Corporate Affairs and Citizenship» von Microsoft Schweiz, Dr. Stefan Meierhans, soll auf 1. Oktober die Nachfolge von Rudolf Strahm antreten.

Microsoft? Das ist die Firma, die von der Europäischen Kommission im März 2004 zur bislang größten je von der EU verhängten Buße verurteilt wurde: eine halbe Milliarde Euro. Warum? Weil sie ihre dominante Marktposition mißbrauchte, um Mitbewerber und damit den Wettbewerb zu behindern. (Details in der 300-seitigen Anklageschrift.) Durch die Medien ging der Fall aber aus einem zweiten Grund: MS bezahlte zwar die Strafe, kam aber den anderen Auflagen bezüglich Offenlegung von Informationen so wenig nach, daß die Kommission im Dezember 2005 beschloß, ein zusätzliches tägliches Bußgeld von €2 Mio. zu verhängen, bis die Auflagen erfüllt seien. Als MS im Juni 2006 erklärte, man hätte begonnen die Auflagen zu erfüllen, war dies für die Kommission zu spät. Ein weiteres Bußgeld von einer Viertel Milliarde Euro wurde im Juli 2006 verhängt. Die Berufung wurde abgelehnt und im Oktober 2007 — nach über drei Jahren — erklärte MS, daß sie die Strafen bezahlen und keine weiteren Berufungen einlegen würde.

Diese über Jahre andauernde Fehde ist Lehrbuchstoff für Wettbewerbshüter und Preisüberwacher.

Vor diesem Hintergrund wirkt die Bundesratsentscheidung, ein Vorstandsmitglied von MS Schweiz zum nationalen Preisüberwacher zu ernennen, politisch etwas unbedacht. Selbst wenn Herr Meierhans seinen früheren Arbeitgeber Microsoft, bei dem er seit 2003 für politische Angelegenheiten angestellt war, «vergißt», wer wird ihn ihm den objektiven Befürworter eines reibungslosen Wettbewerbs sehen?